2022


Umbruch – oder die Präraffaeliten sind tot

 Claudia Krieghoff-Fraatz – MALEREI, INSTALLATIONEN

15.10. - 30.10.2022 in der BBK-Galerie

 

Ich möchte Sachen machen,
die weh tun


sagt Claudia Krieghoff-Fraatz über ihre künstlerische Arbeit.
Die Ausstellung in der BBK–Galerie markiert einen Wendepunkt in ihrem Arbeitsprozess. Das gilt für die Formen der gezeigten Arbeiten: Neben die Malerei treten räumliche Arbeiten, serielle Wandinstallationen und szenische Darstellungen in Schaukästen. Der titelgebende Umbruch zeigt sich
aber vor allem inhaltlich: Die Bildwelten der Künstlerin bieten nicht länger Fluchtfantasien an – angelehnt an englische Malerei des Symbolismus –, sondern Konfrontation. Die romantische Motivwelt von Sagen und Mythen liegt hinter ihr. Claudia Krieghoff-Fraatz entwickelt ihre eigenen gänzlich anderen Menschenbilder. Die haben es in sich. In der Arbeit „Verstand und Gefühl“ erinnert nur noch der Titel an romantische Jane Austen Lektüre, zeigt es doch zwei realistisch gemalte menschliche Organe.
Oft liegen schräger bisweilen sarkastischer Humor und Wortwitz in den Titeln. Dann provoziert der Kontrast zum Bild. Irritierend wirkt das Bestiarium von Claudia Krieghoff-Fraatz‘ Tier- und Menschenbildern, in dem die „Ungeliebten“, die Ratten, Kröten und Schnecken, groß und schön ins Bild gesetzt sind, der Mensch zerquält erscheint. Unübersehbar ist die Skepsis gegenüber dem Tun und Lassen der Menschen. Eine Skepsis von der die Künstlerin sich, wie sie betont, nicht ausnimmt.
Nicht ausgeschlossen, dass diese figurative Malerei mit der Neigung zum Surrealen auch in der genauen Kenntnis von Tieren durch ein Studium der Zoologie und das Zusammenleben mit ihnen wurzelt.
Im Unterschied zu den Bildern erzählen die Schaukästen auch Geschichten. Sie etablieren sich zurzeit als künstlerische Ausdrucksform und sind mit Dioramen, die wir aus Museen kennen, eher verwandt als mit Puppenstuben – wie Claudia Krieghoff-Fraatz betont. Sie sind nicht veränderbar, mit ihnen kann man nicht spielen. Aber sie laden zum Schauen, zum Hineindenken und bei ihr auch zum Gruseln ein.
Wenn man, was weh tun könnte, auf Abstand hält, bleibt der Schauder, bleibt die Ironie.

 

Auf dem Online-Portal BARTFGAANS – das Magazin für die Heideregion – ist bereits eine ausführliche Rezension zur Ausstellung erschienen.

 

 

Menschwerdung ⎥ Öl auf Leinwand ⎥ Claudia Krieghoff-Fraatz ⎥ 2022

 


Ich sehe dich ...– wo Worte fehlen, berichten Bilder

SIMONA STAEHR – MALEREI

24.9. - 9.10.2022 in der BBK-Galerie

 

Für Flucht und Vertreibung finden wir  häufig keine Worte. Schweigen war und ist häufig der einzige Weg, damit unzugehen. Und das meist über mehrere Generationen hinweg.
In meinen Arbeiten möchte ich die Geschichten der Betroffenen sichtbar machen, Geschichten, die ich auch zu meinen eigenen zähle, denn auch meine Mutter kannte nur das Schweigen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Simona Saehr; o.T. 3, 2022


Die Krone der Weiblichkeit

Kerstin Svensson – MALEREI

20.8. - 28.8.2022 in der BBK-Galerie

 

Nur als Frau kann ich das machen!

sagt Kerstin Svensson über ihre Bilder und ihr Projekt „Die Krone der Weiblichkeit“.
Ihre Malerei ist vielschichtig aufgebaut, dabei expressiv, gestisch und stark farbig. Kleine Formate gibt es nicht. Man sieht den Bildern die Lust am Malen, ja die Lust am Leben an. Und das nicht nur wegen der Malweise, sondern auch wegen ihrer Thematik. Gezeigt werden Körperbilder von Frauen, Frauen in Posen der Lust, die Vulva im Zentrum. Sie, die Vulva, ist `die Krone der Weiblichkeit´. Der Titel legt nahe, wie Kerstin Svensson ihre Bilder verstanden wissen will: Als Ermächtigung von Frauen, deren lebensspendende Kraft auch mit Verletzlichkeit einher geht. „Nur als Frau kann ich das machen“, sagt sie und spielt damit auf den männlichen Blick an, der Frauen zum Objekt erniedrigt und dessen Bildformeln sich zuerst bei Gustave Courbet, später bei Egon Schiele und überall finden.  
Von eindeutig figurativen zu abstrakteren Arbeiten gelangt Kerstin Svensson durch Anregungen aus der Natur, wie Form und Gestalt von Bäumen und Wurzeln. Und ein weiterer Aspekt ihrer Arbeit ist ihr performativer Umgang mit den Bildern. Sie bezieht den Raum ein, indem sie Projektionen einsetzt und Licht variiert, was die Arbeiten überraschend verändert, besonders wo Neonpigmente verwendet wurden.
Ihr ganzes Leben, sagt Kerstin Svensson, habe sie sich mit Frauenkörpern beschäftigt und bringt so ihre langjährige Tätigkeit als Schneiderin und Gewandmeisterin mit der der Künstlerin zusammen. Denn, nachdem sie früher Passformen für weibliche Körper entwickelt hat, beschäftigt sie sich nun durch die figurative Malerei in anderer Weise mit Körperbildern von Frauen.
Mit ihrem vom niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur geförderten Projekt stellt Kerstin Svensson sich als neues Mitglied des BBK Uelzen vor.


IM KLEINEN FORMAT – Kunstmarkt in der BBK-Galerie

Künstler:innen des BBK Uelzen

10. - 12.6.2022

 

Sie haben lange nicht gefeiert? Sie suchen ein passendes Geschenk für verschobene Hochzeiten und runde Geburtstage? Sie haben Lust, in Kunst zu stöbern?
Dann kommen Sie zum Kunstmarkt im kleinen Format in die BBK-Galerie Oldenstadt.

Wir bieten Originale in unterschiedlichen Techniken: Acryl, Öl, Aquarell, Collage, auch Objekte, dazu Kunstdrucke und Kunstbücher sowie Kataloge und Karten.
Sie finden unsere Tür offen und Gelegenheit, in Ruhe zu schauen und zu stöbern, dabei in lockerer Atmosphäre mit Künstlerinnen und Künstlern zu sprechen.
Sie gehen glücklich nach Hause, im Gepäck Ihre Kunst in kleinem Format als Geschenk für sich, für Freunde oder Verwandte.

 


Die Sensation der beleuchteten Welt

ANKE GRUSS – MALEREI

30.4. - 13.5.2022 in der BBK-Galerie

 

Anke Gruss lebt für die Kunst und von der Kunst.
Die Sensation der beleuchteten Welt fordert sie zu Arbeiten heraus, in denen es um das Licht geht. „Sensation“ ist das aufsehenerregende Ereignis, aber auch die Sinneswahrnehmung und die Empfindung. Beide Wortbedeutungen fallen in den leuchtenden Augenblicken zusammen, die Anke Gruss in Malerei umsetzt.
Menschen, Landschaften, Stadtlandschaft auch nachts sind ihre Motive. Deren Gegenständlichkeit beginnt sich aufzulösen, wo Bewegung, Schattenmassen und Lichtführung die Umrisse verwischen.
In ihrem Atelier, zugleich Galerie, hoch, schmal und voll, finden sich flüchtige, in einem Zug gemalte Aquarelle neben sorgfältig geschichteten Blättern. Gutes Handwerk sei ihr wichtig, sagt sie mit Blick auf eine opulente, barock anmutende Leinwand, aber manchmal reiche ihr auch ein Strich am richtigen Platz.
Und neben den vielen Möglichkeiten, die in der Malerei selber liegen, gibt es Erwartungen, die sie einschränken. Von „Grätsche“ spricht die Künstlerin und meint die Spannung zwischen konservativem Kundengeschmack und freier Malerei.

Seit 2020 ist Anke Gruss Mitglied des BBK.Uelzen und zeigt jetzt ihre Arbeit in der Galerie des BBK.Uelzen.